Dass der Independent-Musik-Markt sich stetig steigert, was die Umsatzzahlen betrifft, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Er ist allerdings auch nicht die Wunderpille, die alle Musiker in Lohn und Brot bringt. Er hat seine Freiheiten und auch seine Nachteile, wie jeder Markt auf diesem Planeten.
Als ich gerade die aktuellen Verkaufszahlen von CD-Baby, einem Online-Vertrieb, ansah, kam ich nicht umhin, mir auch die Kommentare an zu sehen.
Fakt ist, es wurden bei CD-Baby ca. 4,9 Millionen Dollar mehr an die Künstler ausgeschüttet als 2010, es wurden über 680.000 mehr Titel verkauft als 2010 etc.
Und dann kommen die frustrierten Musiker in den Kommentaren, die eine Milchmädchenrechnung par excellence aufmachen, dass es einem schon weh tut. Dort wird unter anderem argumentiert, dass ja das durchschnittliche Einkommen der bei CD-Baby vertriebenen Künstler von 99$ auf 93$ gefallen sei etc.
Was mir bei solchen Argumentationen auf den Keks geht, ist die unterschwellige Geisteshaltung, die hier zum Vorschein kommt und in die immer wieder zu hörende Jammerparade von Musikern einfliesst, die frustriert sind, weil sie ihre Musik de facto nicht an den Mann bringen.
Wann begreifen die Musiker da draussen endlich, dass Musik zum einen sicherlich ein Ausdruck der eigenen Kreativität ist, zum anderen aber auch ein Produkt ist, welches verkauft werden muss.
Musik unterliegt den gleichen Bedingungen wie jedes andere Produkt auf dieser Welt. Gibt es eine Nachfrage? Habe ich meine Kundschaft richtig angesprochen? Wodurch unterscheidet sich mein Produkt, dass es einen Kaufreiz gibt, etc.pp.
Es ist immer das Gleiche, diejenigen die jammern, produzieren zu einem Großteil Musik, die einfach keine Käufer findet. Entweder ist sie zu speziell oder zu durchschnittlich. Oder aber die Musik ist gut, die Künstler tun aber de facto zu wenig, um sie der potentiellen Kundschaft schmackhaft zu machen. Keine Livegigs, keine gute Website, schlecht gepflegte Social-Networks, keine guten Online-Aktionen, kein Um-Die-Ecke-Denken.
Nein, es wird Musik gemacht, auf eine Kaufplattform gestellt und dann erwartet, dass jetzt alle davon leben können. Diese Kindergarten-Denke findet sich extrem oft bei Künstlern. Sie schauen sich oft noch nicht einmal an, was diejenigen machen, die Geld damit verdienen und wenn doch, dann wird sofort kritisiert und vom "Sell-Out" oder "Ja aber, die haben ja so und so" gesprochen, dass es einem hochkommt.
Jeder Bäcker, der eine Bäckerei aufmacht (und nicht zu vergessen, Brot gehört zu den Grundnahrungsmitteln der Welt!), geht in kürzester Zeit pleite, wenn er
Jeder Geschäftsmann muss diese Grundsätze von Marktwirtschaft, Marketing und Marktstrategie beherrschen, um zu überleben.
Musiker hingegen denken of immer noch, ihre "göttliche Gabe" sei Grund genug, dass man ihnen hinterherläuft, sie über Gebühr bezahlt und belohnt. Und das für ein Produkt, auf welches man im Notfall verzichten kann oder würdet Ihr, wenn Ihr pleite seid, für 12 Euro ne CD kaufen statt Brot und was zu essen?
Mit Musik Geld zu verdienen, bedeutet eine Menge harter Arbeit, die weit über das blosse Komponieren und Einstellen von Musik auf einer Downloadplattform hinausgeht. Es bedeutet, gerade im Marketing kreativ zu sein, seine Musik als Produkt zu hinterfragen, Kundenkreise zu erforschen und zu bedienen und eine ehrliche Chancenabwägung zu betreiben.
Es heisst nicht umsonst Musikbusiness und nicht "Musik-Nirvana"!!!