"Transparenz" ist das Stichwort, mit dem die GEMA ihr neues Tarifmodell für Musikveranstaltungen vorstellte. "Wucher" ist die Aussage einiger Clubbetreiber, die sich ausgerechnet haben, was sie das neue Modell denn kosten würde.
Folgende Zahlen sind aus einem Artikel der groove entnommen:
Steffen Kache, Distillery, Leipzig:
"Für uns bedeuten die neuen GEMA-Tarife überschlagen, dass sich unsere jährlichen Zahlungen von etwa 7.000 auf 87.000 Euro erhöhen. Um am Ende über den Eintritt den selben Ertrag zu erzielen, müssten wir diesen von aktuell etwa 9 auf 14 Euro erhöhen. Das ist hier im Osten niemals umsetzbar."
Steffen Hack, Watergate, Berlin:
"Wir haben, um sicher zu gehen, bei der GEMA angerufen und wollten auf Grund unserer GEMA-Nummer die neuen Tarife erfragen. Wenn es denn wirklich, so wie in den Medien kommuniziert, um bis über 1.000 Prozent teurer werden wird, können wir den Betrieb schließen! [...] Ich habe versucht, es selbst auszurechnen, und bin auf Zahlen zwischen 50.000 und 140.000 Euro pro Jahr gekommen, was eine Erhöhung von 500 bis 1.400 Prozent bedeuten würde. Das ist schlicht Wucher!"
Stephan Büttner, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe e.V.:
"Die neuen Tarife sind für tausende Clubs und Diskotheken definitiv existenzgefährdend. Sie führen bei diesen Betrieben zu GEMA-Erhöhungen von durchschnittlich 400 bis 600 Prozent. Für einen Dancefloor in einer Diskothek oder für einen kleinen Club von etwa 210 qm und einem Eintrittsgeld von nur 6 Euro bei 12 Öffnungstagen im Monat erhöhen sich die GEMA-Gebühren von etwa 8.000 Euro auf ca. 48.000 Euro pro Jahr. Betriebe von 310 qm mit einem Eintrittsgeld von 15 Euro zahlen sogar ca. 1.300 % mehr, anstatt ca. 10.000 Euro dann 130.00 Euro Jahr."
Local Heroes Radio meint:
Die GEMA kristallisiert sich immer mehr zur Lobby einiger weniger Musikschaffender heraus, die ein Monopol von unfassbaren Ausmaßen hat. Dies zeigt sich nicht nur in der Tarifdebatte um Veranstaltungen sondern auch in der aktuellen youtube-Frage. Das Problem ist aber auch, dass sich viele Künstler bei der GEMA anmelden, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass sie Nichts von dem Verein zurückbekommen, solange sie nicht zu den erlesenen 10% gehören, die es in die Charts geschafft haben. Der Rest liefert lediglich, eine argumentative Basis für die GEMA, dass sie ja immerhin knapp 64.000 Urheber vertritt und somit auch ordentlich Gewicht hat. Nun die sogenannten "angeschlossenen Mitglieder" (knapp 85% aller Mitglieder) haben rein gar nichts zu melden bei der GEMA aber sie werden instrumentalisiert, wenn es darum geht, das Gewicht der GEMA in die Waagschale zu werfen. De facto geht es um die restlichen 10-15%, die ihre Interessen auch auf Kosten der restlichen 85% durchsetzen.
Alles in allem muss ich Ronny von Das Kraftfuttermischwerk im Großen und Ganzen recht geben, wenn er schreibt: "Ich haue hier jetzt mal locker frei die These raus, dass wenn sich die Netlabel-Szene samt der damalig veröffentlichenden Künstler nicht gänzlich ins Nichts bzw. in GEMA-Künstler aufgelöst bzw. verabschiedet hätte, würden wir heute keine Meldungen darüber lesen müssen, dass sich Clubs aufgrund der neuen GEMA-Tarife für für Musikveranstaltungen von einen Schließung bedroht sehen. Gewagt, ich weiß, aber wir haben alle diese Chance gehabt. Gemessen an der schon damals teilweise exorbitant hohen Qualität und gemessen daran, wohin sich das heute hätte entwickeln können, hätte es heute die Möglichkeit gegeben, zumindest im Club-Sektor große Nächte zu haben, ohne die GEMA daran teilhaben zu lassen. Wir haben diese Chance vertan, Ihr habt diese Chance vertan, jeder aus seinen ganz eigenen Gründen" (Quelle)
Wer der GEMA beitritt, der braucht sich auch nicht beschweren, denn er oder sie machen sich zur Argumentationsbasis einiger weniger, die nichts mit den eigenen Interessen zu tun haben. Selbst Schuld!