Nach meiner täglichen Lektüre diverser Blogs und Mags zum Thema Musikbusiness verspüre ich nun den Drang, meine Gedanken zum Thema darzulegen.
Beginnen möchte ich mit einer Bezugnahme auf einen Artikel von hypebot, der auf ein 30 minütiges Video verweist, in dem sich Sean Parker (Napster- und Spotify-Gründer) zum neuen Musikbusiness äussert. Auf die Frage, wie das "neue Musikbusiness" denn nun aussehe, bezieht sich Parker auf die Veränderungen, die durch die Digitalisierung und das Internet eingetreten sind, das Aufbrechen alter Strukturen und die neuen Möglichkeiten.
Nun, das ist wahrlich nichts Neues. Die Demokratisierung des Musikbusiness ist sowohl Chance als auch Problem. Wer es schafft, sich in Blogs, Last.fm oder Spotify einen Namen zu machen, der hat eine reele Chance, sich in schwarze Zahlen zu spielen. Vorausgesetzt, er oder sie hat/haben ein gutes Produkt, das entsprechend Nachfrage generiert.
Gleichzeitig muss man sich aber bewusst sein, dass man gerade jetzt Teil einer immer größer werdenden Masse ist. Für 80 Euro kann man sich schon ein einfaches Musikprogramm wie Sequel oder reaper herunterladen und seine eigene Musik produzieren. Das Ganze packt man dann schnell auf facebook, youtube oder soundcloud, richtet noch ein Profil bei reverbnation ein und schon schwimmt man mit im großen Teich.
Es stellt sich nun die Frage, wie man es schafft, seine Musik an ein interessiertes und schliesslich auch kaufwilliges Publikum zu bekommen. Ein Publikum, das wenigstens einmal 99 Cent für einen Track bei I-tunes ausgibt oder sich gerne zum Konzert begibt. Und hier fängt der eigentliche kreative Prozess namens Marketing an. Was man alles tun kann, sollte oder muss, das lässt sich immer wieder beobachten. Ausgefallene Videos, interessante Gig-Locations etc. pp., es gibt auch hier keine Standard-Lösung. Jede Idee muss individuell und auf den Künstler und sein potentielles Publikum zugeschnitten sein.
Mit etwas Glück hat man kreative und marketing-affine Leute in seinem Umfeld, die bereit sind, um die Ecke zu denken und die Konzepte auch umzusetzen. Die meisten jedoch probieren das, was andere schon vor ihnen getan haben und wundern sich, warum das nicht so richtig funktioniert.
Und ja, es ist enorm schwierig, etwas Neues zu bringen und auch umzusetzen. Es ist teilweise die Hölle, auch eine noch so kleine Idee mit der Band an einem gewissen Tag, zu einem gewissen Zeitpunkt, an einem gewissen Ort umzusetzen. Und noch schwieriger ist es, damit klarzukommen, wenn diese Idee nicht den gewünschten Erfolg bringt. Erfolg wiederum definiert sich an den gesetzten Zielen. Was das neue Musikbusiness betrifft, können die zu stellenden Fragen nun sein:
Ich wünsche allen da draussen viel Spass, Durchhaltevermögen und Motivation, um alleine diese vier Punkte clever zu lösen. Es ist imho gut, die relevanten Fragen zu kennen, es ist aber besser, die Antworten zu finden.
Und damit wiederhole ich mich, es gibt keine generell gültigen Antworten! Was für Band A funktioniert hat, kann für Band B vollkommen in die Hose gehen.
Unterschätzt nicht die Macht der alten Musikindustrie!
Die sogenannte alte Musikindustrie mit all ihren Fehlern und inhärenten Ärgernissen flucht zwar permanent über das Netz und seine Gefahren, aber man darf das nicht als die letzten Stöhner eines sterbenden Riesen verstehen. Ich beobachte die traditionelle Musikindustrie schon sehr lange und sie hat immer noch enorme Macht. Stellt Euch folgende Fragen:
Genau, die Grossen des Business. Der Independent-Bereich dagegen ist noch so weit von konzertiertem Handeln entfernt, dass sich die Universals, Sonys und Warners eigentlich keine Gedanken machen müssen. Und wenn schon die Indies mehr Platten verkaufen, na und? Dann werden die Künstler oder gleich das ganze Label aufgekauft. Und wenn es auch kleine Ideen wie "Das Ding" (SWR3) oder "Soundcheck" (You.fm) gibt, die alte Rotationsmuster aufbrechen wollen, aufgewacht, schaut Euch die Sendezeiten und Sendeplätze an. Das sind Brotkrumen, die hingeworfen werden, um dem Rundfunkstaatsvertrag zu erfüllen. Die Rotations werden eindeutig weiter von Media-Control regiert und wer da wiederum den Daumen drauf hat, dürfte wohl klar sein.
Was macht die Independent-Szene?
Oh ja, die Indies, sie existieren! Und sie machen ihren Job auch wirklich gut, Jedes Label, jeder Blog, jeder V-Log, jedes Magazin. Alles tip top.
Nur, sie machen es jeder für sich! Vernetzung scheint ein Fremdwort zu sein, das habe ich in einem früheren Artikel schon einmal erläutert. Nicht einmal Backlinks werden gesetzt, aus Faulheit oder Ignoranz, kann ich hier nicht sagen. Als Entdecker des Internets in Sachen Musikbusiness, als Pioniere einer neuen Denkart steht die komplette Independentszene (einige wenige ausgenommen) vollkommen still, wenn es darum geht, diese Basis auszubauen und zu einem massiven Gegengewicht zu den Majors zu werden. Und das betrifft alle:
Ich könnte diese Liste endlos weiterführen. Die Independentszene scheint einfach nicht zu kapieren, dass eine intensive Vernetzung immer zu mehr Aufmerksamkeit führt. Wenn ich z.B. den Namen eines Künstlers google und finde auf den ersten drei Seiten nur Einträge seiner eigenen Profile, dann habe ich als interessierter Kunde erst Mal keine Zweitmeinung zu diesem Künstler.
Wenn ich nun aber auf den ersten Seiten der Suchmaschine auf Rezensionen, die Labelseite, eine Radiosendung oder einen Blog verwiesen werde, kann der Kunde sich nicht nur schneller ein Bild über den Künstler, sein Album oder sein Konzert machen, sondern erfährt gleichzeitig etwas über das Label, die Musikszene, Sendungen und Videos etc. pp. Wenn das kein Mehrwert für alle Beteiligten ist, dann weiss ich auch nicht.
Ihr glaubt mir nicht? Gebt mal spasseshalber "Frittenbude" in Google ein und dann schaut Euch mal an, wie sehr sich eine Musikszene aus dem Trefferbild ableiten lässt.
Bei allem darf eines nicht vergessen werden. Wer für seine Musik bezahlt werden will, sei es live oder via CD oder Download-Verkauf, der muss sich gezielt der kaufwilligen Masse anbieten. Und diese Masse namens Kunde, muss zu 90% einen einfachen und direkten aussagekräftigen Zugang zum Künstler bekommen. Wollt Ihr (Lables, Bands, Blogs etc) im Netz auf Euch aufmerksam machen, dann vereint Euch und sorgt dafür, dass die Independent-Szene auch bei Google oder Facebook unter der Top-Treffern landet.
Euer Kellerkind
Marc Weissenberger