Als ich neulich auf eine meiner Lieblingsseiten bezüglich "Free-Video-Channels", nämlich Stage 6 klickte, traf mich die Headline auf der Startseite wie ein Schlag in die Magengrube. Am 28. Februar 2008 wurde Stage 6 eingestellt und zwar, darf man der knappen aber prägnanten Erklärung des Mit-Erfinders Tom (aka Spinner) glauben, der nebenbei Angestellter bei der Firma DivX, Inc. ist, dass das ganze Projekt aus Kostengründen eingestellt wurde.
In seiner Erklärung geht er kurz auf seinen Businessplan ein, den er mit Stage 6 hatte, die entsprechenden Marktlücken im DivX-Segment, die genutzt werden sollten und auf die immer größer werdenden Finanzierungsaufwende, die getätigt werden mussten, um die große Nachfrage zu deckeln.
Nun ist das so eine Sache mit dem Angebot und der Nachfrage. Die Idee, kostenlose DiVX-Filme nach Sparten zu ordnen, redaktionell zu bearbeiten und dem User frei zur Verfügung zu stellen, ist sicherlich keine der schlechtesten. Zumal ich glaube aus den Anmerkungen Toms herauslesen zu können, dass es hier vor allem um die freie Verfügbarkeit der Informationen geht, kann ich den Enthusiasmus, den die Erfinder an den Tag gelegt haben, durchaus nachvollziehen.
Wir sind alle mittleweile Internetkinder, einige benutzen es rein informativ, andere zum Datentransfer, Kommunikation etc.pp. Einige, und zu denen zähle ich mich auch, haben einen philosophischen Zugang zu den Möglichkeiten des Netzes. Informationen als Samen der menschlichen Zukunft. Was könnte aus der Menschheit wohl werden, wenn wir wirklich auf so viele Informationen wie möglich frei zugreifen könnten? Ein Evolutionssprung? Totales Chaos? Revolution? Anarchie? Eine neue Form von Zivilisation?
Ich weiß es nicht, aber ich fördere diesen Weg, denn ich erfahre immer mehr, dass allein meine Kommunikation, mein Informationsaustausch mit Menschen auf der ganzen Welt mich (und hoffentlich auch sie) bereichert, mir Horizonte und Möglichkeiten öffnet. Deshalb bin ich immer einer der ersten, die "Hier" schreien, wenn es darum geht dem alten Informationsestablishment ein Schnippchen zu schlagen.
Aber in meiner langjährigen Tätigkeit für Local Heroes Radio musste ich auch die Kehrseiten des Informationsbusiness kennenlernen. Die enorme Zeit, die in die Pflege der Webseite, die Beantwortungen vieler E-Mails, das Durchforsten der Newsletter, die zigfachen CDs die gehört und bewertet werden wollen, die unzähligen Profile, die auf Myspace oder diversen HPs angeschaut werden müssen. All dies treibt mich manchmal an die Grenzen der Belastbarkeit, denn ich muss mein Geld ja auch noch anderweitig verdienen.
Ja, warum verdienst Du denn kein Geld damit? Wird der ein oder andere jetzt zurecht fragen. Da stellen sich dann zwei markante Probleme. Das erste ist eine Frage der Zeit. Man kann seine Internetseite derart mit Artikeln und Deeplinks und blogs bearbeiten, dass über Ad-Sins und Werbebanner genug Kohle reinkommt, um davon leben zu können. Stimmt. Aber in meinem Falle kann das nicht auch noch meine Aufgabe sein, denn ich will eine saubere musikalische redaktionelle Arbeit abliefern und die braucht eben diese Zeit. Und, ich müsste mir auch tatsächlich Gedanken darüber machen, ober dieser Artikel, den ich gerade schreibe, gut für die potentiellen Clicks auf den Google-Adsins ist, ob er genügend Querverweise hat, ob es zu dem Thema gute Kunden geben könnte, deren Banner dann aufleuchten usw. Also, das bin ich nicht, das will ich nicht und das werde ich auch nicht.
Das zweite Problem mit dem Geldverdienen liegt ebenfalls in meiner psychologisch-philosophischen Struktur: So, wie ich meine Sendung gestalte, wen ich vorstelle, wen nicht, wozu ich welche Meinung habe, passe ich nunmal überhaupt nicht in irgendeine öffentlich-rechtliche oder private Sendeanstalt, denn weder werde ich irgendwann zum Ideal-Standart-Weichspülmoderator oder Bands vorstellen, die vom Sender aber gerade gepushed werden müssen, sie mir aber nicht gefallen. Tja, damit bin ich quasi geschäftsschädigend.
Und nun der große Bogen zu Stage 6. Die Idee war cool, das Format klasse, die Nachfrage groß aber die Kosten zu hoch. Und auch Stage 6 stand vor der Entscheidung, ihr Konzept an eine private Firma zu verkaufen, mit allen Rechten. Sie haben sich fürs Einstampfen entschieden, denn sie wollten (so Tom) nicht, dass ihre Idee in den Händen der potentiellen Firmen korrumpiert werden.
Ob dem so ist, oder ob Tom nur versucht, mit diesen ideel hoch anzurechnenden Zeilen sein Scheitern als Geschäftsmann zu kaschieren, überlasse ich Euch. Ich möchte nur eins dazu sagen: Wir alle profitieren von den Informationen, die uns übers Netz durch welche Kanäle auch immer zukommen. Bei Wikipedia hat das Spenden funktioniert, Steal this Film haben auch ein gewisses Spendeneinkommen erreicht, Stage 6 bekam wohl zu wenig, oder nichts. Also, wenn Euch eine Information gefällt, eine Seite, die sich offensichtlich nicht durch Werbung finanzieren kann, weil sie zu spezielle Informationen beinhaltet, dann sollten wir einen kleinen Betrag spenden und zwar nur, damit diese wertvollen Seiten erhalten bleiben. Ansonsten werden wir immer wieder Abschiedssätze wie die von Stage 6 Erfinder Tom aka Spinner lesen: It's been a wild ride, and none of it would have been possible without the support of our users.
Es liegt an uns
Euer Kellerkind
Marc Weissenberger