Als man letztes Jahr in eine der Hallen der Musikmesse ging, stand man oftmals kurz vor dem Hörsturz. Vor allem in der Gitarrenabteilung jaulte und solierte es derart, dass man die Halle (bei aller Virtuosität der Performer) nur mit Gehörschutzund ohne Kopfschmerzen verlassen konnte.
Dieses Jahr wachte die Security der MM mit Dezibelmetern in der Hand akribisch über das Einhalten der maximal erlaubten 90 dB. Wer zu sehr aufdrehte, wurde höflich aber bestimmt aufgefordert, den Volume-Regler Richtung Mitte zu drehen.
Nun, die Hörsturzgefahr war dieses Jahr gebannt, aber dennoch schallte es von allen Ecken und Enden in die Ohrmuscheln der Besucher. Und dies ist vor allem den diversen Schows von diversen Künstlern, die diverse Produkte bewerben, zu verdanken. Gitarrenhelden bearbeiten virtuos die neuesten Gitarren, Pianisten rasen über Klaviaturen, Schlagzeugsets werden ausgiebig behämmert.
Nun stellt sich für mich die Frage nach dem Sinn und Zweck der Showcases. Um beispielsweise den neuesten Sound einer Gitarre vorzuführen, ist die Geräuschkulisse der Musikmesse meines Erachtens völlig ungeeignet. Andererseits hat man aber die Möglichkeit, hautnah mehr oder weniger bekannten Künstler bei ihrem Handwerk über die Schulter zu schauen. Wenn ein Michael Schenker oder ein Slash in irgendeine Gitarre hauen und auch richtig gut performen, dann ist das für mich schön aber noch kein Grund, das Teil auch zu kaufen.
Ich habe eher den Eindruck, dass die Stars hinter den Instrumenten mehr oder weniger als Eye-und Earcatcher fungieren sollen. Unter diesem Aspekt fand ich die Show des RANE-Standes mehr als gelungen. 45 minütige Shows von DJ CRAZY CUT oder DJ SHORTEE machten richtig Spass, zumal sich die technischen Erklärungen angenehm im Rahmen hielten.
An so manch anderen Showcases ging ich allerdings extrem unbeeindruckt vorbei. Nach dem fünfzehnten Hochgeschwindigkeits-Gtarrensolo langt es dann auch.