Dieses Jahr wurde auf der Musikmesse 2007 der neue Einsteiger-Sequenzer "Sequel" von Steinberg vorgestellt. Ein Interview mit dem Marketing-Chef von Steinberg habe ich Euch in Kooperation mit unserer Partnerseite delamar.de ja schon als Podcast zur Verfügung gestellt.
Nun, nach einigen Umbauten an meinem PC, kam ich endlich dazu, Sequel mal anzutesten und hier sind meine ersten Ergebnisse.
Für Einsteiger soll dieser Sequenzer also gedacht sein und diesem Anspruch wird das Programm auch voll gerecht. Gut, man sollte sich das Handbuch, das inklusive Stichwortverzeichnis gerade einmal 111 Seiten hat, schon durchlesen, da man sonst an kleinen Feinheiten, wie dem Unterschied zwischen Audio- und Instrument (Midi) durchaus verzweifeln kann, gerade, wenn man Anfänger ist.
Aber fangen wir vorne an:
Die Installation gestaltet sich als wirklich handhabbar, Dongles werden nicht benötigt und man kann durchaus von Plug&Play sprechen. Ganz wichtig ist, vor irgendwelchen Aufnahmen Sequel auch bezüglich der Soundkarte einzurichten.
Der große Unterschied gegenüber Cubase, Logic oder Cakewalk Sonar
zeigt sich offensichtlich in der Aufgeräumtheit des Programmes. Drei Fenster "Pilot-Zone", "Arrange-Zone" und "Multi-Zone" liegen ordentlich übereinander angeordnet auf einem Screen und erklären sich fast von selbst. Sobald man eine Spur in der Arrange-Zone öffnet, wird diese auch automatisch in der Multizone angezeigt. Ebenso öffnet sich auch eine Mixerspur dort. Allgemein zeigt der Mixer nur die Spuren an, die auch geöffnet wurden. Das trägt sehr zur Übersichtlichkeit bei und man braucht keinen zweiten Bildschirm, in dem der Mixer ständig geöffnet ist. Kurz gesagt, das Innovative ist hier die "all-in-one-Darstellung", die vor allem dem Einsteiger die Offensichtlichkeit seines Handelns vor Augen führt.
Es gibt in der Arranger-Spur sehr schöne Tools, die alle per Mouse-Over angezeigt werden. Geht man direkt auf die aufgezeichnete Spur, so kann man entweder gleich cutten, stummschalten oder per Nach-Hinten-Ziehen die Spur endlos und unkompliziert loopen. Hat man sich beispielsweise einen Beat aus der Media-Bay (Sounddatenbank mit 5 GB an Sounds) per Drag&Drop in die Arranger-Spur gezogen, so reicht ein einfaches Nach-Hinten-Ziehens des Beats und die Spur steht in genau der Länge, die man sich gewünscht hat, da. Kein Strg-C und Strg-Mouse etc.pp.
Es bedarf allerdings etwas Geduld, bis man die kleinen Kniffe beim Einrichten einer neuen Spur drauf hat. Hier gilt es eben zwischen Audio-Spur (Achtung, muss man noch im Arranger-Fenster den Bus ansteuern) und Instrument-Spur (Midi) zu unterscheiden. Midi wird von Sequel automatisch erkannt. Hat man das aber einigermassen begriffen, kann man wirklich loslegen.
Wer eine Idee hat, der zieht sich einfach einen passenden Beat aus der Media-Bay in den Arranger (natürlich, nachdem er die Spur geöffnet hat) und loopt ihn nach Belieben. Der Beat steht. Genauso kann man mit den anderen Spuren verfahren und ruck zuck hat man seine musikalischen Ideen grob in den Rechner gebracht. Also als musikalischer Notizblock eignet sich Sequel auch wirklich für Recording erfahrene User. Wer nicht alle plug-ins in Cubase oder Nuendo öffnen, nach dem richigen Sound suchen und das ganze auch noch im Tempo und der Tonart anpassen will, sondern einfach schnell eine Idee aufnehmen will, der wird seinen Spass damit haben. Es kommt hier eben auch auf die Arbeitsweise des Users an. Spontane Einspielungen sind schnell gemacht.
Sequel verfügt auch über eine kleine Anzahl von Effekte/Instrumente, die vom Gitarren-Verstärker bis zum Synth reichen und einige Möglichkeiten an diversen Sounds offenbaren. HALT! Da drin steckt kein Absynth mit zig-tausend Möglichkeiten. Sondern eben ein paar Synth-Sounds, die man gerade noch in der Multi-Zone mit ein paar sehr gestrippten Standart-Effekten bearbeiten kann. Der Equalizer hat immerhin drei Spuren, beim Reverb sieht es genauso aus. Auch hier gilt, was für den Fortgeschrittenen etwas wenig erscheint, ist für den Einsteiger absolut perfekt. Aber wenn ich nur mal ne Meldodie einspielen will, dann finde ich schon einen Sound, der in diese Richtung geht.
In der Multizone ist auch die viel genannte Media-Bay mit 5GB an Sounds ansteuerbar und da ist wirklich für jeden was dabei: Drums, Drumsets, Pianos, Synths, Gitarren, Bass, Beatz, etc.pp. Die sind wiederum in Categorien wie Rock, Pop, Hip-Hop, Classic, usw. unterteilt. Ja sogar eine noch spezieller Sub-Categorie gibt es, die beispielsweise bei den Beatz zwischen East-Coast und West-Coast unterscheidet, kurzum, auf die Schnelle findet man hier garantiert was. Hat man sich einen passenden Sound angehört, zieht man ihn einfach mit dem Cursor in den Arranger in die geöffnete Spur und fertig.
Und jetzt wird es wirklich einfach: Die Sounds, die man in die Arranger-Spur zieht, passen sich automatisch dem vor- oder eingegebenen Tempo und der Tonart des Projektes an. Es muss also nicht herumtransponiert werden, es passt einfach sofort.
Bis hier hin und nicht viel weiter gehen im Groben die Möglichkeiten von Sequel. Es macht Spass, mal nebenbei ein paar Sounds aus der 5GB großen Library rauszusuchen und einfach in die Spuren zu donnern. Dann kann man ne Gitarre oder einen Bass, ein paar Vocals dazuhauen und schon kann man sich seine Idee anhören. Gerade für Anfänger wird dies ein großes Erfolgserlebnis sein und für einige Zeit auch wirklich Spass mit sich bringen. Wer als Einsteiger, der einfach nur mal was aufnhemen und ein bißchen bearbeiten will, von Cubase erschlagen wird, bekommt hier eine schöne Einführung in die Welt der Sequenzer. Wenn er Sequel dann drauf hat, wird ihm Cubase sicherlich einfacher zugänglich sein.
Wer nun aber ans Produzieren denkt, daran, die Sounds einzigartig zu machen, richtigen Druck zu kreieren oder geile Effekte einzubinden, der wird bald auf einen komplexeren Sequenzer umsteigen.
Ich will nicht sagen, dass der Sound von Sequel zu wünschen übrig lässt, im Gegenteil, da kann man richtig gute Songs einspielen, die auch anständig klingen. Aber fürs richtige Producing langt es dann halt wirklich nicht, alleine schon, weil Sequel keine Plug-In-Einbindungen zulässt. Is ja klar, das bietet dann halt auch erst Cubase, auf das die User ja später umsteigen sollen, so die Marketingstrategie von Steinberg.
Mein Fazit:
Sequel ist von der Idee her mit Ableton live zu vergleichen, von der Ausführung und den Möglichkieten hängt es Ableton aber hinterher.
Als Ideensammler, musikalischer Notizblock und Einsteiger-Sequenzer kann ich es uneingeschränkt empfehlen.
Ich werde Sequel als musikalischen Notizblock und Ideensammler nutzen. Wenn es allerdings darum geht, diese Ideen gut auszuproduzieren, auszufeilen und ihnen einen eigenen, aussergewöhnlichen Sound zu geben, dann empfehle ich Cubase, Pro-Tools, Nuendo etc.
Summa summarum: Sequel macht Spass, bietet im Preis-Leistungsverhältnis das Beste für Einsteiger und hat seinen Reiz, wenn es darum geht, spontan und ohne viel Gefrickel zu arbeiten. Wer mehr erwartet, wird schnell an die Grenzen des Steinberg-Sequenzers stossen. Aber dafür kostet Sequel auch gerade mal 99,- Euro und ist in dieser Preiskategorie unschlagbar!!!