Sue Stoeffler hat diesen Artikel auf http://www.4fame.de veröffentlicht. Local Heroes unterstützt dies und veröffentlicht deshalb diese Zeilen:
Liebe 4fame Visitors!
Zum Abschluß dieses Jahres nutze ich einmal die Gelegenheit und möchte Euch persönlich schreiben...
Das Jahr 2006 war für 4fame ein sehr gelungenes, unsere Besucherzugriffe haben sich gut verdoppelt und besonders stolz sind wir natürlich auf unsere ehrenamtliche Förderarbeit für Newcomerbands und talentierte Künstler, sowohl im Bereich Musik, als auch in der Literatur und im Bereich Foto/Film & Medien.
Wie unsere Besucher immer wieder festgestellt haben, liegt wohl unser Schwerpunkt in der Musik. Darauf kann ich nur antworten, ja, das stimmt, denn ich bin selbst mit Musik aufgewachsen und empfinde gerade in unserer schnellebigen Zeit "die Suche nach dem richtigen Ton" als essentiell, für alle Menschen, aller Interessen & Kulturen. Und nach Ablauf des diesjährigen Rockband Castings "heart to rock", welches uns wieder fantastische Rockbands auf den Schreibtisch gespült hat, stellten einige Mitglieder der diesjährigen Jury dennoch eine etwas beunruhigende Tendenz der Bewerbungen fest: Junge Künstler streben nicht mehr nach Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung, sondern sie wählen den Weg der "Nachahmung und Angleichung", der ja bekanntlich auch etwas leichter ist und dem Künstler wohl eher das Versprechen zuflüstert, bei bekannten Produzenten oder den Mächtigen aus der Musikindustrie im wahrsten Sinnes des Wortes -Anklang- zu finden. Das verführerische und bestbenutzte Wörtchen dieser Tage "Zeitgeist" (neudeutsch: Trend) ist jedoch ein sehr trügerisches, denn es vermindert die Kreativität des Einzelnen, beschneidet seine eigentlichen Fähigkeiten und vor allem, es suggeriert ihm, nur der Geschmack der breiten Masse oder einer lustigen Tabelle, auch namentlich als "Charts" bekannt, wären von Bedeutung, um als Künstler/Musiker Erfolg zu haben.
Da man am Ende eines Jahres auch gerne traditionell "alte Zöpfe abschneidet", werde ich das nun tun. Ich begleite Musiker bereits seit vielen Jahren, arbeite mit renommierten Produzenten und top engagierten Plattenfirmen und kann mir ein Resume durchaus erlauben: Seid wieder Ihr selbst, erschafft Eure eigenen und neuen Klänge! -Denn insgeheim sind die A&Rs der Plattenfirmen selbst inzwischen mit dem Latein am Ende, vor lauter programmatischer Aspekte "wir müssen in den Zeitgeist passen" (bei uns in der Fachsprache nennt man das "Thema", so erhält man dann bei Bemusterung eines Künstlers bei Labels oft die Absage mit der Begründung, unbekannte Themen werden im diesjährigen Programm nicht mehr gebraucht...) fehlt es nun an den Artists, die eben etwas vorweisen können, das noch NICHT da war! Und an diesem Punkt möchte ich jetzt auch mit dem volkspopulären Irrglauben aufräumen, die Plattenindustrie wäre ein "Abzockerverein". Das stimmt so nicht.
Es gibt, wie in jedem Wirtschaftszweig, profitorientierte Firmen, die anhand ihrer stetig wachsenden Größe anders agieren müssen (schon deshalb, weil sie schließlich ihre Arbeitnehmer bezahlen müssen), als kleinere Firmen. Es gibt natürlich bei den Majors ein strenges Reglement und oft sind in den obersten Etagen Entscheidungen von Nöten, die der kleine Kunde, sprich z.B. eine Rockband, nicht gleich nachvollziehen kann. Aber bedenkt eines: Die A&Rs werden an ihrer Aufgabe verzweifeln, wenn sie die hundertsten "Sportfreunde Stiller" anhören müssen! Also, macht Euch von dem Glauben frei, eine gute Kopie sei besser, als ein risikoerhöhtes Original! Schaut Euch doch unsere Großen Idole der letzten 30 Jahre an (und da meine ich jetzt auf gar keinen Fall solche "Plastik-InVitro-Produkte" wie TOKIO HOTEL o.ä.):
THE BEATLES,THE ROLLING STONES, PINK FLOYD, GENESIS, YES, TOTO, LED ZEPPELIN, JIMMY HENDRIX, FRANK ZAPPA, GENTLE GIANT, E.L.O., THE ALAN PARSONS PROJECT, KATE BUSH, neuzeitlicher gehören z.B. dazu THE POLICE, DEPECHE MODE, TEARS FOR FEARS, NIRVANA, KORN, MUSE u.v.m...Sie haben uns den Weg gewiesen, in neue Styles, innovative Recordings, hohe musikalische Ansprüche (auch LIVE) und ihrem Kampf für ihre Musik! Deutsche Coverbands verdienen mit ihnen und ihrer Einmaligkeit ihr Geld. Es sind Künstler, über die man noch viele, viele Jahre sprechen und ihre Songs spielen wird. Natürlich hat sich der Markt verändert, heute tragen Teenager über 2000 Tracks auf ihrem iPoD oder mp3-Player mit sich spazieren, die Firmen benötigen mehr Ware und sicher hat dadurch auch der Qualitätsanspruch gelitten. Und Trends wird es selbstverständlich auch immer geben, sie bezeichnen den Musikstil, der eben momentan am liebsten gehört und damit auch weiterempfohlen wird. Auch zu Zeiten unserer Großen Klassik-Meister, Beethoven, Mozart und Schubert gab es Ansprüche an Stile, die erfüllt werden mussten, besonders wenn es sich bei den erstellen Kompositionen um Auftragswerke für Fürsten, Kirchen oder Hofkapellmeister handelte. Doch was all jene auszeichnet, die mit ihren fantastischen Opern, Simphonien und Liedern noch Generationen überleben werden, war ihr besonderes Talent, ihre Liebe zu IHRER Musik, ihr Anspruch an sich selbst und an die Qualität ihrer Arbeit oder ihrer Performance.
Musik ist nicht nur ein Beruf, es ist eine Bestimmung! Und wer die Bestimmung fühlt und über den Status einer Abiturs-Band oder einer Stimmungskapelle hinaus will, darf sich nicht verleugnen! ...Na klar, jetzt höre ich durch die friedvolle Weihnachtsluft die Widerrufe derer herumschwirren, die mir immer wieder verbittert und enttäuscht sagen: "...aber warum verkauft sich dann unsere Musik nicht, warum finden wir keinen geeigneten Vertrieb?" Dann antworte ich immer: "Wenn man von Musik wirklich leben will, ein Profi werden möchte, liegt die Aufgabe nicht darin eine Band zu gründen und zu überlegen, wie ich am schnellsten einen Nightliner finanziere, -wer Musik macht, ist ein so genannter Musikschaffender, d.h. man muss sich, wie jeder Berufstätige, im Markt umschauen, erkunden, wo man hinein passt...vielleicht ist die Filmindustrie gerade auf der Suche nach meiner Musik, oder ein verrückter Großindustrieller plant eine "abgefahrene Werbekampagne", oder gerade Eure Musik ist für einen Trailer zu einem bedeutenden Event genau die richtige."...Ihr kennt sicher den Spruch " man kann mit Brunnenfröschen nicht über den Ozean reden"...schaut Euch in der Welt um, Deutschland ist nicht Euer Maß aller Dinge in der Musik und der Kunst; Das Abenteuer und die Leidenschaft Musik findet ihr nicht beim stunden- oder tagelangen Surfen mit Bildchen-Adden in MYSPACE, man muss als Künstler hinaus in die Welt, sich zeigen und sich beweisen, die richtigen Partner sind nicht immer die "um die Ecke", wenn Eure Arbeit eben eher nach Finnland passt, -Auf geht's! - dann werdet Ihr Euch Eure Träume eben dort erfüllen; Und wer sagt, dass man so nicht auch wieder in den Deutschen Charts landen könnte;-)...!
Und nun komme ich, abschließend für dieses Jahr 2006, zu einem Kapitel, dass mir besonders am Herzen liegt: MYSPACE und andere (noch-)kostenfreie "Seid-Unsere-Freunde"-Portale. Sehr oft wurden wir dieses Jahr, und damit auch meine Künstler, gefragt, warum 4fame consulting keine MYSPACE Präsenz hat. Das möchte ich meinen sehr geschätzten 4fame-Visitors gern erklären: Ich persönlich halte MYSPACE für einen lustigen Zeitvertreib und eine brillante Geschäftsidee aus den USA, von Investoren gestützt, die solche Communities aufkaufen, um sie bei Erreichen gewünschter Userzahlen, in ein kommerzielles Profil umzuwandeln (hier kann sich jeder wohl selbst ausrechnen, wieviel Umsatz dann solch ein Riesenportal wie MYSPACE oder YOUtube einbringen wird). MYSPACE ist vor Jahren aus der Idee entstanden ein Netzwerk zu bilden, doch wie so oft in unserer Welt, kann eine gutgemeinte Erfindung findige Geschäftsleute oder sogar Betrüger anlocken. Ich bestätige ausdrücklich, dass eine Band, die "den Zeitgeist treffen will" und nicht wie ein Außenseiter vor Freunden und anderen Künstlern dastehen möchte, unbedingt eine MYSPACE-Präsenz einrichten sollte.
Gerade für Bands, die im Mainstream-Bereich ihre Songs vorstellen möchten, tut Euch keinen Zwang an, es ist immerhin ein Art Publicity! Allen anderen rate ich davor sogar ab, denn wir beobachten leider, dass sogar Produzenten oder Plattenfirmen der MYSPACE-LINK als Bewerbung/Bemusterung zugeschickt wird (was ich sowieso nicht verstehe, denn, warum habe ich dann eine eigene Website?...) und das endet meist mit dem gelangweilten Blick des Produzenten, der sich wieder einmal kopfschüttelnd mit immer schlechterem "Buffering", minutenlangem Warten und abschreckenden Pseudo-Erotikbildchen aus dem Moloch des Webs abfinden muss (ob er will oder nicht), um letztendlich ruckelnde, unerträglich schlechte Videosequenzen (das betone ich vor allem als Fotografiemeisterin) und miese Track-Quality von 3-4 Songs in sich aufnehmen zu müssen (die durchaus von einer anfänglich ordentlichen Produktion stammen können; -Und das betone ich als Vocalcoach und Produktionsassistentin)...und das soll dann eine Bewerbung sein, die zu einem Vertragsabschluss führen soll?
So nutzen große Plattenfirmen MYSPACE für ihre Künstler zwecks reiner Publicity, um neue Fans/Kunden zu werben und weltweit ihr aktuelles Produkt zu verbreiten. Alles klar und gut. Aber eine NoName-Truppe sollte einen MYSPACE-Link immer nur von der Original Homepage verlinken (Ausnahme wäre, Ihr hättet keinen Player installiert und wollt Snippets Eures neuen Materials anklingen lassen, dann bitte aber auch erwähnen, dass es sich hierbei NICHT um Eure laufende Produktion handelt!...),versendet für Eure Bewerbungen oder zu Ausschreibungszwecken (so wie zu unseren Contests oder Künstler-Aufrufen) bitte NUR mp3s/wmas etc. in möglichst guter Qualität, das gilt auch für Eure Fotos! Einen Profi aus dem Musikbizz interessiert es herzlich wenig, wieviel knuffige Bildchen sich da tummeln oder wieviele andere Bands Ihr kennt! Einen Profi interessieren nur Fakten: Eure musikalische Vita, Auftrittslisten, Referenzen, top Fotos, bestmögliche Sounds und insbesondere Eure Arbeit als Musiker, -diese Dinge sind gefragt! Songwriting, geniale Interpretationen, coole Show-Ideen, neue Marketing-Ansätze, wie gut ist der Sänger o.ä. Solche Marketing-Gaga-Gags, wodurch man plötzlich im TV über eine Band erfährt, die irgendwie zigtausende oder gar millionenfache Downloads vorweisen konnte und dafür einen Auftritt in einem Sendeformat oder beim Radio gewinnt, dienen sicher der Plattform MYSPACE, aber doch nicht den Künstlern (und da spreche ich von den talentierten...)! Mir persönlich ist jedenfalls bisher noch keine Band aus dem MYSPACE-Moloch unter die Augen gekommen, die's wirklich drauf hatte, geschweige es geschafft hätte im nächsten Jahr noch bekannt zu sein. Es ist, wie gesagt, eine nette Spielerei und sicher kann man diese Communities zu Publicity-Zwecken nutzen oder maximal zum Gigsharing, aber sie sind nicht als Finder Eures Ruhmes geeignet und schon gar nicht ein geeignetes Instrument, um von seiner eigentlichen Leistung und seinem Talent andere (und seriöse!) Mitmenschen zu überzeugen. Bedenkt bitte, in solchen Portalen tummeln sich auch sehr viele "Pseudobooker", "Pseudomanager" oder sonstige wenig Qualifizierte, die Euch eventuell sogar eher schaden, als nützen würden.
Aber wir wären nicht 4fame, wenn uns nicht eine passende Lösung zu besagten Problemen einfallen würde, denn zu den besagten Problemen gehört leider auch, dass durch solche "Mega-Communities" wirkliche Perlen der Musik oder der Videokunst schlichtweg verlorengehen, in den Weiten des Worldwideweb! Für mich persönlich ist MYSPACE die größte Vergeudung von Webspace und Ansammlung von Datenmüll, seit Erfindung der Computer. Es ist meine persönliche Meinung, denn so sind jetzt wenigstens Menschen und Fachkräfte gefragt, jenes Moloch wieder zu restrukturieren und Filtersysteme für "das Besondere, das Andere, das Neue, das Einmalige" zu kreieren und zu implementieren.
Wir werden dies tun! 4fame wird an einer Möglichkeit arbeiten, den Wichtigen des Musikgeschäftes, des Films und der Medien wieder das anbieten zu können, was wertvoll ist!
Ich möchte betonen, wir unterstützen sowohl Majors, als auch den Underground, die Independent-Labels, kleine, engagierte Firmen, Musikliebhaber, Kenner und Menschen, die etwas Eigenes schaffen wollen, aber wir unterstützen nicht das Prinzip "Masse statt Klasse"!
Und unter diesem Motto werden wir im Januar 2007 für viele Überraschungen im Bizz sorgen, sowohl auf unserer Site, in weiterhin kompetenter und bewährter Manier, als auch mit neuen Projekten; Dazu gehört auch unser 4fame ROCKBAND CASTING, welches ich, mit Unterstützung der Label-Chefin Katha Kreth von Kick-Off-Records, weiterentwickeln werde.
4fame erhält somit ein willkommenes UPGRADE und darauf freuen wir uns sehr!
So, ich hoffe, ich habe Euch jetzt nicht zu arg eingeschüchtert, mir liegt auch nicht daran Euch zu belehren, es liegt mir nur daran Euch immer am Puls der Musik- und Medienwelt zu wissen, mit all seinen guten und schlechten Seiten;
Denn nur wer die Gefahren kennt, kann sie bestehen!
Bleibt gesund, kreativ und glaubt an Euer Talent,
...das taten Eure Vorbilder auch!
Sue Stoeffler