Wie Ihr sicherlich mitgekriegt habt, habe ich MUTEMMATH aus New Orleans im letzten halben Jahr schon des öfteren begeistert gefeaturet. Am Dienstag, den 26.6. hatte ich das große Vergnügen die vier Nordamerikaner im Frankfurter Nachtleben live erleben zu dürfen:
"Das beste Konzert, das ich seit langem erleben durfte", "absoluter Wahnsinn", "was für eine Show" waren nur einige Kommentare, die ich nach dem Gig von MUTEMATH dem Publikum entnehmen konnte und ich musste allen uneingeschränkt recht geben. Lediglich die suche nach weiteren Superlativen fiel mir schwer, da sie alle in der ein oder anderen Form durch den Raum gerufen wurden.
Hört man sich die aktuelle CD von MUTEMATH an, so ist man schwer von der Sounddichte und Individualität des Silberlings beeindruckt und dementsprechend skeptisch war ich, als es darum ging, sich das Ganze auch mal live anzuhören. Denn oft werden gut produzierte Bands dem Live-Anspruch nicht gerecht.
Erfreulicherweise war das Nachtleben proppe voll und als Mutemath um 22.00 auf die Bühne kamen war allein das Intro schon derart bombastisch, dass schon hier das Publikum begeistert aufjohlte. Paul, Darren, Roy und Meaney klatschten erst einmal die ersten Reihen der Zuschauer ab. Eine Band ohne Berührungsängste. Schlagzeuger Darren stellte sich während des Intros auf seinen Schlagzeughocker und wickelte sich mehrere Lagen Gaffer-Tape um den Kopf und seine Kopfhörer. Uns wurde klar, der Mann wird sich heftig bewegen auf der Bühne.
Mit Chaos starteten MUTEMATH in einen fulminanten Abend, den so schnell keiner der Zuschauer vergessen wird. Abgesehen von einer abgefahrenen Liveperformance mit Saltis über Atari-Sampler, kombinierten Percussion-Einlagen, bei denen Sänger, Drummer und Basser auf alles einhämmerten, was ihnen in die Finger kam und dabei Yamato oder den Tambours des Bronx alle Ehre machten, kreierten die vier Vollblutmusiker eine Soundwand nach der anderen, die das Nachtleben vom ersten bis zum letzten Ton in seinen Bann zogen.
MUTEMATH ist seit langem mal wieder eine der charismatischsten ud technisch ausgereiftesten Bands, die mir unter die Augen gekommen sind. Jedes Bandmitglied beherrscht sein Instrument aus dem FF und vermittelt dabei eine enorme Spiel- und Performancefreude, die einen einfach mitreißen muss. Was Sänger Paul mit seiner Stimme, der Keytar und dem Keyboard anstellt, wirkt nicht aufgesetzt, sondern vermittelt direkt und unvermittelt das Lebens- und Musikgefühl der Musiker aus New Orleans. Drummer Darren holt aus seinem kleinen Drumset derartig tighte Beats heraus, die vom Rock bis zum Drum and Bass reichen und all das mit einer leidenschaftlichen Energie, die das Festbinden des Kopfhörers mit Gaffer-Tape mehr als rechtfertigen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, ist Basser Roy der extrovertiertere Saiteinstrumentalist, der seinen Bass auch mal gerne mit Drumsticks bearbeitet oder sich einfach zum Drummer gesellt um mit der bloßen Hand auf der Snare zu trommeln. Gitarrist Meaney steht eher im Hintegrund, schafft aber eine irrsinnig breite Soundkulisse, die teilweise synthihafte Charakterzüge trägt und bildet das Rückgrad der Band.
Was soll ich Euch noch erzählen? Es war eine Show der Superlative auf engstem Raum und niemand konnte an diesem Abend still stehen. In anschließenden Gesprächen mit dem Publikum wurden Parallelen zu verschiedensten Bands gesucht und einstimmig wurden keine gefunden.
MUTEMATH sind keine "Klingt-wie-Band", darüber waren sich alle einig und alle hoffen auch, dass sie ihre Spiel- und Performancefreude beibehalten, denn dann werden sie die Welt erobern.
Das 25 minütige Interview mit MUTEMATH werden wir Euch so schnell wie möglich als frei downloadbaren Podcast zur Verfügung stellen. Es lohnt sich.
Ein restlos begeistertes Kellerkind
MUTEMATH for president!!!!
Marc Weissenberger